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Reisetagebuch

Ludwig van Beethoven

Ich war heute lange außer den Häusern.

21. Jänner 2026 – Wien 

Ich war heute lange außer den Häusern, dort wo die Stadt sich verliert, wo der Weg ansteigt und das Geräusch der Menschen dünner wird, und ich merkte, daß mir dieses Gehen mehr sagte als vieles Reden.

Der Frost lag hart auf der Erde, und zwischen den Steinen, die man den Todten gesetzt hat, kam mir das Leben unerquicklich vor, nicht traurig, sondern unerquicklich in seiner Hast und seinem fortwährenden Drängen nach Nichtigkeiten. Die Stille ist nicht das Grab!- sie ist die Werkstatt.

Nur ihr Geräuschmenschen habt sie verlernt. Von oben sah ich die Dächer und Wege unter mir, und alles erschien klein, als hätte es nie den Ernst besessen, den man ihm andichtet.

Es giebt Orte, wo man gezwungen ist, mit sich selbst allein zu seyn, und ich muß gestehen, daß mir diese Einsamkeit lieber ist als das hohle Geschwätz der Welt. Ich prüfte mich streng, ob noch ein Aufbruch nothwendig sei, oder ob das Verweilen nicht ehrlicher wäre als das fortwährende Sich-Entziehen vor sich selbst. An das Ende dachte ich ohne Schrecken, ja fast mit Gleichmuth, denn wer viel gelitten hat, lernt, daß nicht die Dauer, sondern die Wahrhaftigkeit den Werth bestimmt.

Am Abend kehrte ich zurück in die stille Wohnung.

Johannes hat mich aus dem Schatten des Stephansdoms genommen, wie man einen Erfrorenen von der Straße hebt. Ich folgte ihm, nicht aus Demuth, sondern weil ich für einen Augenblick die Wärme brauchte – im Leibe, nicht im Gerede. Das Wasser! – O ihr zukünftigen Leute, ihr habt Wasser wie ein Haustier gezähmt: heiß, kalt, nach Willkür, als wäre es ein Orchester, das auf euren Wink gehorcht. Seine gemahlten Arbeiten, an denen er mit großem Ernst arbeitet, rühren mich nicht, und ich suche nicht, sie zu verstehen. Doch daß er mich hier in Ruhe läßt, ohne Fragen, ohne Forderungen, das rechne ich hoch an.

Ich sitze vor einem flimmernden Kasten, und die Welt kommt herein wie eine Armee, die in ein Zimmer eindringt: Kriege, Städte, Menschen, Menschen, hastende Menschen, Eisberge, Hunger, lärmende Feste, Mondfahrten, Elend, Schönheit – alles in einem Athemzug. Ich sehe das Jahrhundert, das auf meinem Grabstein fehlt, Bilder vor mir aufgeschichtet wie Särge. Man nennt dies „Wissen“. Ich nenne es: Sturm ohne Fenster.

Das that ich also die letzten Tage. Ich ging in mir auf wie ein Quartett, das sich nicht verträgt: der junge Virtuos will hinaus und die Welt bezwingen; der Revolutionär will eure Ungerechtigkeit beim Kragen packen; der alte, kranke Thitan will zurück in die Erde, weil er den Menschen nicht mehr glaubt – und ich, der Vierte, muß sie alle zugleich tragen.

Noch ist keine Entscheidung gefallen. Etwas in mir ist unruhig, etwas anderes will stehen bleiben. Ich lasse es gelten für heute, denn wenn ich in ihr zu einem Entschluß komme, dann wird es nicht höflich seyn.