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Reisetagebuch

Ludwig van Beethofen an Frank Wallburger (Reiseleiter)

Kommen Sie bald – ich friere in dieser neuen Zeit!

Mein werter Herr Wallburger!

Ihre Zeilen sind mir ein schwacher Trost in dieser bleiernen Öde. Man kennt meinen Namen auf dem ganzen Erdenrund? Was nützt der Ruhm, wenn er bloß ein hohler Wiederhall in einer erstorbenen Welt ist! Wenn die Menschen meine Töne zwar hören, aber ihr Geist dabei stumm bleibt wie ein Grabstein? Daß nur wenige von meiner Rückkehr wissen, ist mein einzig Glück – ich will kein Spektakel für Gaffer sein!

Sie schreiben von Nachrichten, die wie Blitze den Erdball umkreisen – welch’ unheimliche Magie! Zu meiner Zeit reiften Gedanken in Briefen noch Wochen; hat die Schnelligkeit eurer Worte auch deren Würde erhöht? Ich bezweifle es sehr. Von Dresden nach Wien in weniger als einem halben Tag? Kommen Sie nur, wenn Sie es vermögen! Ich irre schutzlos umher; mein Haus ist fort, die Welt ist mir zur Kaschemme geworden. Ich besitze nichts als meinen Zorn und meine Noth.

Suchen Sie mich am Stephansdom! dort die Glocken wie früher schwingen, – im Schatten der Pfeiler, wo der Stein noch die Sprache der Ewigkeit spricht. Achten Sie auf einen armen Mann mit wirrem Haar, der das Ende der Welt gesehen hat.

Kommen Sie bald – ich friere in dieser neuen Zeit!

Ihr L. v. Beethoven