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Reisetagebuch

Ludwig van Beethoven an Frank Wallburger (Reiseleiter)

Antworten Sie! WO ist diese Zuflucht?

Wallburger! Was soll dieser Wankelmuth? Erst reißen Sie mich mit Posaunenschall aus meiner Ruhe, füllen meinen Kopf mit Bildern einer neuen Welt und Versprechen von Wärme – und nun, da ich meine Bedingungen nenne, wollen Sie feige zurückweichen? Sie nennen es ein ‚törichtes Experiment‘? Für mich ist es das Schicksal, und dem Schicksal fällt man nicht so einfach in den Arm! Sie glauben, mich zu schützen, indem Sie mich zurück in das ‚Land der Stille‘ schicken wollen? Die Stille, von der Sie sprechen, war für mich zeitlebens ein Gefängnis, eine Mauer aus Stein, gegen die ich vergeblich anrannte. Wenn mein Kopf voll von Klängen ist, so ist es meine Bestimmung, sie zu bändigen – ob im Jahre 1826 oder 2026! Ein Beethoven zerbricht nicht an der Gegenwart, er durchbricht sie! Ich entscheide selbst, wann meine Zeit um ist. Und ich sage Ihnen: Ich bin noch hier. Der Geist ist wach, und der Leib – so hinfällig er sein mag – spürt den Hunger nach Leben. Sie schrieben von einer Bleibe in Wien. Von einem ruhigen Ort, an dem man mich nicht begafft, wo es warm ist und wo Menschen sind, die mir helfen wollen. Wo ist dieser Ort? Antworten Sie! WO ist diese Zuflucht? L. v. Beethoven