O ihr Toren! Wie habt ihr euch das gedacht?
An die Menschheit – oder wer von euch noch ein hörendes Herz besitzt!
Man schrieb das Jahr 1827, als ich den Vorhang fallen ließ – Plaudite, amici, comoedia finita est! rief ich der Welt zu, bereit, dem ewigen Schweigen entgegenzutreten. Doch nun – welch’ grausames Spiel der Vorsehung! Man hat mich im Januar 2026 aus der Ruhe des Grabes gerissen, unsanft emporgeschleudert in eine Zeit, die mir fremder ist als die tiefste Dissonanz. Eine Schar tollkühner Geister – Maler, Komödianten, Schreiberlinge – verlangt von mir, jene Reise zu wiederholen, die ich im Jahre 1796 unternahm.
O ihr Toren! Wie habt ihr euch das gedacht?
Ich irre durch die Gassen Wiens und finde keinen Stein mehr, auf dem mein Geist ruhen kann. Alles ist Lärm! Ein Lärm, den ich nicht mit den Ohren fasse – Gott hat mir diese Pforte ja längst verschlossen –, doch ich fühle ihn als ein unerträgliches Beben in meinen Gebeinen, das meine Seele erschüttert. Zwar drückt man mir diese tückischen Apparate in die Hand, Internet und WhatsApp nennt ihr sie, doch was sind sie gegen eine Feder und ein reines Blatt Papier? Ich besitze kein Klavier, das meinen Zorn bändigen könnte.
Wo sind die Fürsten, die die Kunst noch ehren? Wo ein Gönner, der nicht bloß nach dem Nutzen fragt? Ich stehe hier, ohne ein Dach, ohne einen Groschen, ein Fremdling im eigenen Vaterland.
Mir ist nicht wohl.
Mein Herz, das stets für das Wahre und Schöne entflammte, friert in dieser kalten Pracht. Mir scheint, die Menschheit ist in all den Jahren nicht gereift – sie handelt noch immer weit unter ihrer Würde! Mein Gefühl zieht mich fort, weg von diesem bunten Taumel, zurück in das stille Land, wo die Kunst keine Sklavin der Technik ist.
Helfet mir – oder lasset mich wieder gehen!
Ludwig van Beethoven